Kita: Warum ausgerechnet Fellen?

Eltern in St. Goar brauchen weiterhin viel Geduld. Seit Jahren fehlen Kitaplätze – und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Statt Klarheit entsteht der Eindruck, es mangele an Weitsicht, Engagement und Entschlossenheit.

FDP und SPD haben mit Ihrer Stadtratsmehrheit den Kitastandort im Stadtteil Fellen beschlossen – trotz offensichtlicher Schwachpunkte. Die CDU lehnt diesen Standort ab und spricht sich klar für eine Kita zwischen katholischer Kirche und Rheinfelshalle in der Kernstadt aus. Darüber haben wir bereits in der letzten St. Goar aktuell berichtet.

Der Stadtrat hat den Stadtbürgermeister einstimmig beauftragt, den akuten Mangel an Kitaplätzen kurzfristig durch eine Container-Kita zu beheben. Dieser Beschluss wird nicht mehr umgesetzt. Es ist kein Geld dafür in den Haushalt eingestellt worden! Der Stadtbürgermeister verweist auf möglicherweise sinkende Kinderzahlen. Damit stellt er sich gegen den Ratsbeschluss. Leidtragende sind die Familien, die weiterhin keinen Kitaplatz für ihr Kind bekommen.

Gleichzeitig steht die Stadt unter erheblichem Spardruck. Umso erstaunlicher ist es, dass die vorgelegte Machbarkeitsstudie keine Aussagen zu den Kosten enthält. Statt Klarheit zu schaffen, soll sie nur ein Zwischenschritt zu einer endgültigen Machbarkeitsstudie zu Fellen sein.

Dabei ist schon jetzt absehbar, dass der Standort Fellen erhebliche Zusatzkosten verursacht: Ein Bahndamm, Sicherungen entlang der Gleise, ein möglicher Grundstückskauf für eine Buswendeschleife und vermutlich auch ein Ausbau der Straße. Haben sich die Ratsmitglieder von FDP und SPD mit den offensichtlichen Schwachpunkten dieses Standorts gar nicht oder nicht hinreichend befasst?

Weiter steht zu befürchten: Sollte die Sackgasse Alte Heerstraße ausgebaut werden müssen, könnten die Fellener Anwohner über Ausbaubeiträge an den Kosten beteiligt werden – die Bürger im Stadtteil mit den wenigsten Kindern leisteten dann den höchsten Beitrag zur Kita.

Bereits vor drei Jahren wurde beschlossen und versprochen, das alte Weinbauamt schnellstens zur Kita umzubauen. Auch damals folgten auf große Versprechen ernüchternde Erkenntnisse. Angesichts knapper Kassen sollte sich die Stadt weitere Machbarkeitsstudien für ungeeignete Standorte sparen.

Fazit: Mehr Kosten, weiterhin Unsicherheit – und keine Lösung. Statt Weitsicht zu zeigen und die Kita in der Kernstadt zu stärken, wurde erneut ein Standort mit erheblichen Schwächen beschlossen. Warum ausgerechnet Fellen?